Blutegeltherapie
Was versteht man unter Blutegeltherapie?
Die Blutegeltherapie gehört zu den so genannten ausleitenden Heilverfahren. Hierbei steht die Beseitigung von lokalen Fülle-, Stauungs- und Schmerzzuständen aufgrund eines Blut - und Lymphödems im Vordergrund. Dies wird mit Hilfe von an der Hautoberfläche angesetzten Blutegeln erreicht. Zusätzlich werden durch die Injektion von Blutegelwirkstoffen auch spezielle antiphlogistische (entzündungshemmende) und analgetische (schmerzlindernde), sowie das Milieu der bindegewebigen Grundsubstanz verbessernde Effekte postuliert.
Stacks Image 487
Hier finden Sie einen interessanten Film über das Thema "Blutegel gegen Schmerzen" aus der Reihe Odyssee - Wissen im SWR.

Geschichte

Geschichte der Blutegeltherapie
Blutegel wurden schon seit Jahrtausenden zu medizinischen Zwecken verwendet. Durch die maßlose Anwendung vor allem im Frankreich der letzten Jahrhunderte verschwanden die Blutegel und mit ihnen die Methode vorübergehend fast vollständig aus Mitteleuropa. Heute gewinnt die Methode nicht zuletzt durch neuere Forschungsarbeiten in der Unfallchirurgie (z.B. Replantationschirurgie), bei venösen Erkrankungen (z.B. oberflächlichen Venenentzündungen) und bei Erkrankungen des Bewegungsapparates (z.B. Kniegelenksarthrose) wieder zunehmend an Bedeutung. Die heute verwendeten Blutegel werden meist in Zuchtanstalten kultiviert (www.blutegel.de) und dürfen aus hygienischen Gründen nur einmal verwendet werden.

Indikation

Bei welchen Erkrankungen ist eine Blutegelbehandlung sinnvoll?
Hauptindikationen:
Erkrankungen des Bewegungsapparats:
schmerzhafte Gelenkarthrosen, v.a. Knie- und Schultergelenksarthrosen, Sprunggelenksarthrosen, rheumatische Erkrankungen, Tendovaginitis z.B. „Tennisellenbogen“

venöse Erkrankungen:
chronische Krampfaderbeschwerden, Besenreiser-Varikosis, akute Thrombophlebitis, postthrombotisches Syndrom (mit begleitenden Stauungsschmerzen)

sonstige Indikationen:
Herpes Zoster (Gürtelrose), akute und chronische Otitis media (Mittelohrentzündung), Hörsturz, Tinnitus, Hämorrhoidalsyndrom und (Peri-) Analthrombose, akuter Gichtanfall, Hämochromatose (als Aderlass), Wundheilungsstörungen durch postoperativen Lymph- und venösen Rückstau in der Traumatologie (z.B. Handchirurgie) und plastischen Chirurgie.

Kontraindikationen

Wann darf eine Blutegeltherapie nicht durchgeführt werden?
  • hämorrhagische Diathesen (vermehrte Blutungsneigung) z.B. Hämophilie("Bluterkrankheit"), sowie Blutgerinnungsstörungen durch Medikamente (z.B. Marcumar®) oder verminderten Blutplättchen (Thrombozytopenie) u.a.
  • Hauterkrankungen an der Applikationsstelle
  • akute Magen- oder Darmgeschwüre
  • deutliche Blutarmut (Anämie, Hb unter 10 g/dl)
  • erheblicher Immunschwäche (AIDS, Chemotherapie, etc.)
  • schwere chronische Erkrankungen (Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium, langjährige Dialyse bei Nierenerkrankungen, etc.)
  • fortgeschrittene periphere Gefäßerkrankungen (pAVK ab Stadium III)
  • ausgeprägten Wundheilungsstörungen (z.B. bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus, erheblichem Übergewicht, etc.)
  • bekannte Allergien gegen Blutegel-Inhaltsstoffe (Hirudin, Histamin, etc.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen:
  • bei Neigung zu überschießender Narbenbildung (Keloidbildung) keine Anwendung an gut sichtbaren Körperstellen
  • Aspirin® sollte 5-10 Tage vor einer Behandlung nach Rücksprache mit dem Arzt nicht eingenommen werden

weitere Infos

Ist die Blutegeltherapie schmerzhaft, gibt es Nebenwirkungen?
Der Biss eines Blutegels ist nicht sonderlich schmerzhaft. Allenfalls werden die Bisse wie "Brennesselstiche", Insektenstiche, leichtes Ziehen oder als "Spritzeneinstich" beschrieben. Das ist auch logisch, denn der kleine Sauger hat in der freien Natur wenig Interesse, daran bemerkt und abgeschüttelt zu werden. Der Blutegelspeichel enthält einen einzigartigen Wirkstoffcocktail aus ca. 30 verschiedenen Substanzen von denen allein eine histaminähnliche Substanz im weiteren Verlauf zu einem leichten "Heiljucken" wie bei einem "Mückenstich" führen kann.

Mögliche seltene Nebenwirkungen oder Komplikationen:
  • ausgeprägte Blutung (verlängerte und starke Nachblutung)
  • juckende Hautrötung um die Bissstellen
  • vorübergehender Gelenkerguss, lokale Schwellung, oder regionale Lymphknotenschwellung.
  • Pigmentstörungen, Vernarbungen an der Bissstelle, kleine Papel an der Bisstelle

Was geschieht bei der Behandlung?
Der Therapeut sucht die zu behandelnden Stellen aus. Es werden meist mehrere Blutegel rund um die ausgewählte Stelle angesetzt. Bei Entzündungen setzt man den Egel nie in den Bereich der Entzündung, sondern immer nur in die Nähe der Entzündung. Ebenso wird man den Egel nie auf eine Vene direkt setzen.

Mit dem Besuch unserer Homepage erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden, die lediglich einer bestmöglichen Funktionalität dienen.
Ausführliche Hinweise finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.